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Globale Soziale Rechte - Zu den sozialen Folgen des Klimawandels und den Auswirkungen auf Migrationsbewegungen mit - Victor Nzuzi, Via Campesina, Kongo: zu den Machenschaften der internationalen Holzindustrie in den kongolesischen Wäldern und den Folgen des Klimawandels auf die dortige Landwirtschaft;
- Karsten Smid, Greenpeace Deutschland: zu den Auswirkungen des Klimawandels, zur neuen Kategorie der "Klimaflüchtlinge" und der damit verbundenen europäischen Sicherheitsstrategie;
- Lisa Bolyos, Europäisches BürgerInnenforum, Österreich: zur Situation der migrantischen LandarbeiterInnen (nicht nur) in Südspanien und der Rolle der Supermärkte.
Moderation: glocal group Hanau und Antirassismusbüro Bremen mit einem Einleitungsinput zur sozialen Dimension des Klimawandels Zwei Geschichten .... I. Eine 22-jährige Frau, nennen wir sie Marielle, hat bis vor kurzem in Mbao am Rand der senegalesischen Stadt Pikine gelebt. Sie hat dort eine Subsistenzwirtschaft mit Anbindung an den lokalen Markt betrieben. Ihr Mann war Fischer in den nahegelegenen Küstengebieten. Das Fischereiabkommen zwischen der EU und mehreren westafrikanischen Ländern war ihm keine frohe Botschaft: nicht nur sind die Küstengebiete quasi leergefischt, sondern auch die Jobs in der senegalesischen Fischereibranche werden knapper und knapper. Marielle konnte den Einkommensverlust längst nicht mehr mit dem Verkauf ihres Gemüses wettmachen. Die Böden, ohnehin nie die fruchtbarsten, leiden an Übersalzung. So hat Marielle sich entschlossen, mit dem Verkauf eines Teils ihres Landes die Überfahrt nach Europa zu bezahlen. Schon während der tagelangen Reise auf dem engen Boot sind sechs der PassagierInnen an Erschöpfung und Durst gestorben. Eines frühen Morgens schließlich kam Marielle am Ende ihrer Kräfte in Europa an. Was sie hier erwartete, war kein Geheimnis, die Leute, die zurückgekommen waren, hatten davon erzählt: Arbeit in der Gemüseindustrie, die das Leben in einem fremden Land erst einmal leistbar machen würde. Dass es in den Treibhäusern allerdings 60 Grad und der Arbeitstag kaum Pausen haben würde, die Unterkünfte selbstgebaute Plastikhütten wären und Übergriffe der Guardia Civil an der Tagesordnung stünden, hatte ihr niemand erzählt. Nach einem dieser polizeilichen Überfälle kamen drei Männer zu ihnen, einer selbst Senegalese. Sie seien von einer lokalen Gewerkschaft, sie würden sie unterstützen, wenn sie sich gegen diese Zustände wehren wollten. Wie genau das funktionieren sollte, war Marielle nicht klar, aber womöglich war es ja einen Versuch wert... II. Shek – der Name ist ein Pseudonym – verließ vor 4 Jahren den Süden Bangladeshs, einem der Brennpunkte des globalen Klimawandels. Die wirtschaftliche Situation seiner kleinbäuerlichen Familie war schon immer prekär. Die verheerenden Überschwemmungen – ausgelöst durch vermehrte Niederschläge, steigenden Meeresspiegel und überlaufende Flüsse (im Zuge abschmelzender Gletscher) – verschärften die Situation und haben den Hof an den Rand des Ruins getrieben. Drei der sechs Geschwister machten sich 2004 auf den Weg. Zwei blieben in Indien, Shek setzte seine Reise nach zwei Jahren als Bauarbeiter mit Ziel London fort. Über Moskau und Kiew ging es in einer Gruppe von 10 Leuten zügig Richtung Westen, doch dann wurden sie auf slowakischem (EU-)Territorium geschnappt und zurück in die Ukraine gekarrt. Die letzten 6 Monate war er dort unter elenden Bedingungen in Pawschino eingesperrt, einem EU-finanzierten und und von ukrainischen Soldaten bewachten Hungerlager bei Ushgorod, unmittelbar vor den Toren der EU. Nach der Entlassung aus der Internierungshaft wird Shek sobald als möglich einen zweiten Anlauf nehmen, um in die EU und weiter nach England zu gelangen ... Beide Geschichten stehen exemplarisch für den systematischen Raubbau an den Ressourcen des globalen Südens und dessen Zurichtung auf den Weltmarkt, wobei in dieser immer schon soziale Konfrontationen und ökologische Zerstörungen stecken. Sie sind Teil eines Ausbeutungsgefälles, gegen die sich wiederum die weltweiten Bewegungen und (Alltags)Kämpfe von Flüchtlingen und MigrantInnen richten. "Dass einerseits Flucht und Migration zu einem wachsenden Anteil mit ökologischen Verwüstungen im globalen Süden zusammenhängen und dass andererseits eine gerechte Verteilung der Ressourcen vielen Menschen im Süden ein ´Recht zu bleiben` ermöglichen würde, deutet dann auf weitere Verknüpfungen und potenzielle Gemeinsamkeiten vermeintlich partikularer Interessen hin.“ Die Veranstaltung will dieses Zitat aus der Plattform der Initiative für globale soziale Rechte aufgreifen und konkreter diskutieren, wie Migration und ökologische Gerechtigkeit zusammenhängen und was politische Interventionen auf dem Gebiet des Klimawandels mit der Forderung nach globaler Bewegungsfreiheit zu tun haben (sollten). Zur Sprache kommen soll auch, wo wir praktische Anknüpfungspunkte und Widerstandsperspektiven sehen und ob die Forderung nach globalen sozialen Rechten dabei ein übergreifender Bezugspunkt und Katalysator für gemeinsame Initiativen sein kann. Am Vorabend der Camp-Aktionswoche wollen wir diese Fragen mit den Gästen aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln andiskutieren.
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