Beim ersten bundesweiten KlimaAktionsCampvorbereitungstreffen wurde sich
darauf geeinigt, sich weder von Parteien noch von NGOs dominieren zu lassen. Einigkeit bestand auch, dass keine Parteifahnen auf dem Camp erwünscht sind. Die Diskussion darüber inwieweit NGOs für sich Werbung machen können, inwieweit diese sichtbar sein können, möchten wir auf diesem zweiten Treffen dringend weiter führen, deswegen dieses Papier als Anregung für einen Diskussionsprozess. Unsere Position dazu ist eindeutig, wir möchten keine Parteifahnen, aber auch keine Banner von NGOs. NGOs verfolgen andere Ziele als wir, sie sind anders strukturiert. Was sind NGOs? Es gibt keine eindeutige Definition. Allerdings sind sie nicht basisdemokratisch, nicht antikapitalistisch, stellen nicht die bestehenden Herrschaftsstrukturen in Frage, sondern möchten in bestimmten Punkten mitsprechen und das bestehende System korrigieren. Ein wichtiges Kriterium ist die meist professionelle Organisation, die „realistische“ Ziele verfolgt und eng mit der Politik zusammenarbeitet. NGOs verstehen sich häufig als Stellvertreter_innen der sog. Zivilgesellschaft und werden als solche auch von den Politker_innen wahrgenommen. Zivilgesellschaft wird als eine Art Chiffre für den herrschaftsfreien, an der Sache orientierten Dialog betrachtet: Zusammen mit Vertreter_innen von Konzernen, staatlicher Institutionen und „betroffenen Bürger_innen“ diskutieren hier auch NGOs über alles mögliche. Ein konkretes Beispiel ist die WCD, die von der Weltbank inszenierte World Commission on Damms, die wohl vor allem das Ziel verfolgt, Konflikte um Staudammprojekte zu befrieden. Diese „Politik der runden Tische“, also bspw. ein runder Tisch zur Mediation eines Staudammprojekts hat unserer Meinung die fatale Konsequenz, dass unterschiedliche Machtressourcen verschleiert werden. Daneben sind NGOs vor allem als gerngesehene Expert_iInnen im krisengeschüttelten globalen Kapitalismus unterwegs. Es folgt z.B. auch die Akkreditierung von bestimmten NGOs bei der UNO, die dann dort mit Berater_innenstatus eingebunden sind. Politikberatung ist ein neues Schlagwort mit dem sich viele NGOs angesprochen fühlen. Meist sitzen NGOs am wohlregulierten Katzentisch und sehen nicht wie begrenzt ihre Beteiligungsmöglichkeiten sind. Die Machtkonzentration und die zugrunde liegenden Herrschaftsverhältnisse werden von NGOs nicht in Frage gestellt, genauso wenig wie die herrschenden Produktionsverhältnisse und Konsummuster. NGOs können häufig nicht unabhängig agieren, da sie auf finanzielle Unterstützungen angewiesen sind, seien dies staatliche Finanzierungen, Stiftungen, Spenden oder sogar Mittel von Konzernen. Sie sind am Medien- und Spendenmarkt orientiert. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Gelder von bestimmten Stiftungen nehmen und Spenden benötigen. Aber wir richten unsere Politik nicht nach unseren Geldgeber_innen aus. NGOs verlieren meist den Blick für´s Ganze, die strukturellen Zusammenhänge. Sie beziehen sich nur auf ihre Einzelforderungen und stellen diesbezüglich „realistische“ Forderungen auf. Basisbewegungen hingegen kämpfen für eine andere Welt und begnügen sich nicht mit kleinen machbaren, von den Herrschenden akzeptierten Zugeständnissen. NGOs als Vertreter¬innen der sog. Zivilgesellschaft können als „TÜV für gute Regierungspolitik“ gelten. Staatskritik, antikapitalistische Haltung passt grundsätzlich nicht zu NGOs, da sie mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten und nur kleine Dinge verändern wollen und nicht das System an sich in Frage stellen. Die Deutungshoheit der Regierungen wird von NGOs beibehalten, die Regierungen nehmen berechtigte Kritik auf und verstehen sie in Bahnen zu lenken, so dass sie das System nicht ins Wanken bringen können, sondern den Weg für eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung ebnen. Viele NGOs leisten Zuarbeit und sehen nicht, dass sie in ihrer Beteiligung die Arbeit der Regierungen oder Konzerne erledigen und damit weitreichender Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. Die Machtkonzentration und die zugrunde liegenden Herrschaftsverhältnisse müssen aber in Frage gestellt werden, um weltweite Veränderungen herbeizuführen. Die neoliberale Globalisierung muss als ganzes in Frage gestellt werden, um eine solidarische, demokratische und emanzipatorische Gesellschaft zu schaffen. Deswegen können wir nur feststellen, dass NGOs sich mit uns nicht vertragen. Gerade deswegen möchten wir uns mit den Menschen, die sich ihnen zugehörig fühlen auseinandersetzen und sie herzlich einladen sich an dem Camp zu beteiligen, um mit uns zu diskutieren und gemeinsam ein anderes Zusammenleben zu praktizieren. Vielfältigkeit ist unsere Stärke und die soll beim KlimaAktionsCamp sichtbar werden. Wir sind uns selten einig und wollen dies auch nicht leugnen. Unsere Stärke ist Vielfalt und Toleranz. Diese erwarten wir auch von allen, die sich an der Vorbereitung und Durchführung des Camps beteiligen, deswegen kann es für uns nur heißen, dass sich NGOs nicht als ihre „NGO“, als Organisation beteiligen sollen und schlimmstenfalls auch noch im Namen des Camps sprechen, sondern wir gemeinsam dieses Camp mit allen, die daran Interesse haben in einem kritisch konstruktiven Prozess gestalten. antiatomplenum berlin, dezember 2007
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